Schlagbaumlinde

Bild

Standort

An der Kreuzung Tropfender-Wasen-Allee – Böblinger Sträßle.

Position: Internetkarte

Geschichte

Als Zugereister dachte ich zunächst, dass sich hier eine alte Grenze befand. Aber Tübingen gehörte seit Ende des 14. Jahrhunderts zu Württemberg. Hier befand sich die Grenze zwischen den württembergischen Oberämtern Böblingen und Tübingen, der späteren Landkreise; eine reine Verwaltungsgrenze also, kein Grund für einen Schlagbaum.
Hier verläuft heute die Grenze zwischen den Landkreisen Böblingen und Tübingen sowie den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen. Darüber hinaus war das auch die Grenze zwischen Württemberg-Baden in der amerikanisch besetzten Zone und Württemberg-Hohenzollern in der französisch besetzten Zone.

Wer mehr dazu beitragen kann und möchte, bitte Post an mich E-mail.

Bemerkungen

Die Schlagbaumlinde hat bei dem Sturm Lothar durch umstürzende Fichten von der anderen Seite das Weges einige ausladende Äste verloren und sieht seitdem etwas unsymmetrisch aus.

In der Besatzungszeit 1945 mag sich hier ein Schlagbaum befunden haben, aber das ist nicht der Grund für diese Bezeichnung. Sie ist älter. Der neben stehende Kartenausschnitt stammt aus einem Meßtischblatt von 1901, da ist diese Wegkreuzung mit Schlagbaum bezeichnet. Dieter Buck schlägt in seinem Büchlein Wanderungen und Spaziergänge im Naturpark Schönbuch, Seite 87, einen weiten Bogen zurück ins Jahr 1442 zur Teilung des ‚Herzogtums Würtemberg‘ in den Stuttgarter und Uracher Teil. Aber da irrt Buck: geteilt wurde 1442 die ‚Grafschaft Würtemberg‘, 1482 wieder vereint und 1495 zum Herzogtum erhoben. Böblingen, Herrenberg und Tübingen gehörten zu Würtemberg-Urach, also auch kein Grund hier einen Schlagbaum zu errichten.

Bei meinen erfolglosen Bemühungen, etwas über den Ursprung der Bezeichnung Schlagbaum in Erfahrung zu bringen, besuchte ich eine Internetseite, die erwähnte in einem anderen Zusammenhang die umfangreichen Holzrechte des Klosters Bebenhausen, die noch von den Tübinger Pfalzgrafen herrührten. Dem schenkte ich zunächst keinen Beachtung – aber, in der Gadnerschen Forstkarte von 1592 ist der Bereich nördlich von Bebenhausen als BEBENHEVSER HOLTZER bezeichnet und auch eine Grenze eingezeichnet. Diese verlief allerdings nicht genau am Standort der Schlagbaumlinde, sondern etwa 250 Meter weiter nördlich und ist durch alte Grenzsteine belegt. Holz war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – Bau- und Brennholz war praktisch lebensnotwendig – und Holzdiebstahl war ein Problem in allen Wäldern, über Jahrhunderte. Es wäre also denkbar, dass das Kloster hier an dem stark befahrenen Weg einen Kontrollpunkt eingerichtet hat. Einen Beleg dafür habe ich jedoch nicht gefunden.


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